Text zur Ausstellung „Momente“

Im Moment des Malens gilt eigentlich nichts mehr von dem, was ich über meine fertigen Bilder denken oder sagen kann. Es ist ein sehr intimer Prozess, den ich auch nur ungern zeige oder beschreibe. Ich male eben, das bedeutet Farbe anrühren, mit Pinsel oder Spachtel oder Rakel schmieren, kleckern und auftragen, aber auch wieder wegnehmen, abkratzen und verwischen, viel mehr kann ich da nicht sagen. Aber vor allem bedeutet es, in einem Zustand sehr bewusster Konzentration zu sehen und den intuitiv aufscheinenden Eingebungen zu folgen. Das geschieht immer im Dialog mit der sich füllenden Leinwand.

Die mehr oder weniger locker aufgetragenen Farbschichten trage ich horizontal, vertikal oder diagonal auf einer ursprünglich leeren Leinwand auf. Mit einer breiten Rakel (Breite je nach Format der Leinwand) werden untere Schichten weggewicht, überlappen sich oder verbinden sich zu neuen Formen und Strukturen – wie Sinneseindrücke in der Psyche des Werks. Wie bei jeder Form von Bewusstsein bleiben einige Eindrücke zurück und gewinnen eine Art haftende Kraft, während andere ganz verschwinden oder unterdrückt werden. Heraus kommt eine Struktur, die meiner Kontrolle oder Absicht entzogen ist, und bei der Erinnerungen an frühere Applikationen freigelegt werden, vermengt in die Wirklichkeit der nachfolgenden Schichten. Die Leinwand vergisst nichts, während die Schönheit der Gegenwart zu einer Mischung aus Vergangenheit und Zukunft wird. Man gewinnt den Eindruck, dass das ganze Leben in ihre betörende Oberfläche gemalt wurde: Hass und Erlösung, Triumph und Angst, Hoffen und Bangen …

Johann Georg Ludwig

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